6 Yoga-Wege

sechs Wege – eine Einheit

Ganzheitlicher Yoga verbindet die 6 Yoga-Wege zu einer Einheit. Manche Menschen fühlen sich am wohlsten, wenn sie einen der Yoga-Wege besonders intensiv verfolgen und sich ganz darauf konzentrieren. So können intellektuell veranlagte Menschen sehr interessiert daran sein sich intensiv in die Schriften des Jnana Yoga zu vertiefen. Andere Menschen möchten sich mit allen oder einigen Wegen des Yoga beschäftigen. Dies ist alles gut.

1. Hatha Yoga – Yoga der Harmonisierung des Körpers

Hatha Yoga ist der Teil des Yoga bei dem es um die Harmonisierung von „Ha“ Sonne und „Tha“ Mond im menschlichen System, im Körper geht. Das geschieht in erster Linie die Körperstellungen (Asanas) und über Atemübungen (Pranayama). Dazu gehört aber auch die Ernährung.

Gesundheit ist die wichtigste Voraussetzung für ein spirituelles, aber auch für ein glückliches Leben, denn ohne physische und psychische Gesundheit wird es schwer in einem Lebensbereich erfolgreich zu sein. Die Gesundheit ist der größte Reichtum den wir bekommen haben und so ist es unsere Pflicht uns um die Erhaltung oder Wiedererlangung dieses Geschenkes zu kümmern.

Yogis sagen, dass alle Krankheiten im Geist beginnen und Schmerzen, die den physischen Körper betreffen demnach sekundäre Erkrankungen sind.

Asanas

Als Asanas werden die Körperstellungen im Yoga bezeichnet. Asana bedeutet sowohl Sitz als auch Körperhaltung.

Das regelmäßige Üben von Asanas bereitet den Körper auf das mühelose Sitzen für die Meditation vor. Der Körper wird gestärkt, gereinigt und energetisiert. Ein gesunder Körper ist für alle anderen Yoga Wege ebenfalls wichtig. Nur ein gesunder Körper kann ins Handeln kommen (Karma Yoga), im Selbststudium die Schriften studieren (Jnana Yoga). So sind die Yoga Wege nicht klar voneinander abgetrennt. Vielmehr überschneiden und ergänzen sie sich optimal.

So kann auch der Meditationssitz als Asana (Körperstellung) verstenden werden. Patanjali beschreibt mit sthira sukham asanam die Meditationshaltung als bewegungslos, mühelos und komfortabel (sthira = stabil, bewegungslos, sukham = komfortabel, bequem, asanam = (Meditations-)Sitz).

Pranayama

Die Atemübungen im Yoga heißen auf Sanskrit Pranayama von Prana – Atem und ayama – Kontrolle oder Ausdehnen. Die Wichtigkeit der Atmung für den Menschen wird vor allem in der westlichen Welt völlig unterschätzt. Dabei können Atemübungen vielfältige positive Wirkungen auf den Menschen haben. Um nur einige zu nennen:

  • Energie kann erweckt oder erhöht werden
  • Chakras können harmonisiert werden
  • die sportliche Leistungsfähigkeit kann gesteigert werden
  • Stress kann leichter bewältigt werden
  • mehr geistiges Gleichgewicht kann entwickelt werden

Besonders gut eignet sich spezielles Pranayama auch zur Vorbereitung auf die Meditation, da durch die Beruhigung und Beobachtung der Atmung auch der Geist zur Ruhe kommen kann. Die Konzentration auf bestimmte Atemtechniken kann bereits eine Form der Meditation darstellen. Diese kann mit weiteren Techniken kombiniert werden.

Darüber hinaus kann Pranayama sehr nützlich für spezielle Ziele wie zum Sprechtraining sein oder für Menschen mit Atembeschwerden gezielt eingesetzt werden.

Yogische Ernährung

Eine wichtige Säule im Yoga ist die Ernährung, da diese einen direkten Einfluss auf den Geist hat. Dazu ist es hilfreich die drei Gunas, die drei Eigenschaften der Natur, genauer zu betrachten: Sattwa (Reinheit und Leichtigkeit), Rajas (Aktivität und Bewegung) und Tamas (Trägheit und Schwere). Die drei Gunas können auf die Qualitäten der Nahrung angewendet werden:

Sattwige Ernährung ist leicht und rein. Dazu zählen z.B. frisches Obst und Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte, sowie reichlich frisches Wasser und Kräutertee.

Rajasige Nahrung hat anregende Wirkung und führt zu Unruhe aber auch Aktivität. Zu den rajasigen Nahrungsmitteln zählen z.B. Kaffee bzw. Koffein, Zucker, sehr scharfe Gewürze (Chilli), Eier, Weißmehlprodukte.

Tamasige Nahrung ist schwer und gefühlt dunkel und führt zu Trägheit. Tamasige Nahrungsmittel sind z.B. Fleisch und Fisch, Konserven und Tiefkühlkost sowie faule, unreife oder überreife Lebensmittel, aber auch zu viel Essen. Zu stark gekochtes oder wieder aufgewärmtes Essen wird ebenfalls als tamasig beschrieben. Darüber hinaus auch Alkohol, Tabak und andere Drogen und Medikamente.

Bei sattwiger Ernährung wird der Aspirant durchlässiger und kann schnellere Erfolge mit Yoga erzielen und tiefere Erfahrungen machen. Sattwige Nahrung erleichtern auch die Meditation, während es schwer fällt bei einer Ernährung mit zu vielen rajasigen Lebensmitteln über einen längeren Zeitraum still zu sitzen und den Geist zur Ruhe zu bringen. Wenn Sattwa überwiegt, so sagt man, kann der Mensch ein glückliches und zufriedenes Leben führen und Wohlbefinden erleben.

Rajas ist grundsätzlich auch eine gute Eigenschaft, die positive Handlungen fördern kann. Ein zu hoher Anteil an Rajas, also Aktivität und Leidenschaft, führt langfristig zu Unruhe und Stress.

Tamasige Ernährung sollte aus yogischer Sicht möglichst ganz vermieden werden, da sie schwer und träge macht und jegliche Praxis erschwert. Ist Tamas am prominentesten kann dies zu Schwermütigkeit, Traurigkeit oder gar zu Depressionen führen.

Der ernsthafte Aspirant wird sich bald für die Möglichkeiten der Ernährung interessieren und irgendwann sogar ganz aus seiner Intuition die für ihn förderlichen Nahrungsmittel auswählen.

Vortrag zu den drei Gunas: Die drei Gunas: der psychische Aspekt des Yogas

2. Raja Yoga – Yoga der Meditation

Raja Yoga oder auch Ashtanga Yoga (der achtgliedrige Weg) beschreibt die ethischen Regeln Yama und Niyama sowie die sechs weiteren Stufen des Raja Yoga:

  1. Yama – Regeln für den Umgang mit anderen
  2. Niyama – Gebote, Verhaltensregeln für das Privatleben
  3. Asana – Stellung
  4. Pranayama – Lenkung der Lebensenergie
  5. Pratyahara – Zurückziehen der Sinne
  6. Dharana – Konzentration
  7. Dhyana – Meditation
  8. Samadhi – Überbewusstsein

Die ersten sechs Stufen können dabei durch Übung erreicht werden. Auf die Stufen sieben und acht dagegen kann kein aktiver Einfluss genommen werden, sie zu erreichen kann als Gnade verstanden werden.

Raja Yoga wird auch bezeichnet als der Yoga der Herrschaft über den Geist. Insbesondere zählen zum Raja Yoga Techniken des mentalen Trainings und Meditation. Es wird erklärt, wie der menschliche Geist funktioniert und wie dieser beherrscht werden kann. Meditation wird auch als der Königsweg des Yoga bezeichnet.

3. Bhakti Yoga – Yoga der Hingabe

Bhakti Yoga ist der Yoga der Hingabe und Liebe zu Gott beschreibt. Dies kann durch Mantra-Singen, Gebet, Rituale und das Erzählen von Mythen und Geschichten geschehen. Dadurch kann sich das Herz öffnen und der Übende in Kontakt mit dem Göttlichen kommen.

4. Jnana Yoga – Yoga des Wissens

Jnana Yoga, der Yoga des Wissens wird auch als der philosophische Teil des Yoga bezeichnet. Es werden Fragen gestellt wie: „Wer bin ich?“, „Woher komme ich?“, „Wo gehe ich hin?“, „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Was ist Glück?“, „Was ist wirklich?“.

Im Jnana Yoga werden auch Karma und Reinkarnation erklärt. Es gibt spezielle Meditationstechniken mit dem Ziel die Wahrheit in sich selbst intuitiv zu erfahren.

5. Karma Yoga – Yoga der Tat

Karma Yoga wird als Yoga der Tat bezeichnet und schließt sowohl selbstloses Dienen ein als auch die Sichtweise, das eigene Schicksal als Chance zu begreifen. Dabei gibt es Techniken, um alle Bereiche des Lebens zu spiritualisieren und Karma Yoga kann helfen das eigene Ego zu transzendieren und sich als Einheit mit allen Wesen zu fühlen.

6. Kundalini Yoga – Yoga der Energie

Kundalini Yoga ist der Yoga der Energieerweckung. Es werden Übungen beschrieben, die den Astralkörper reinigen und die Lebensenergie (Prana) stark zu erhöhen und Chakras zu harmonisieren und zu öffnen. Wenn die Kundalini erwacht, können überwältigende, auch außersinnliche Erfahrungen sowie starkes Glücksgefühl, Bewusstseinserweiterung und die Entfaltung neuer Fähigkeiten folgen.

Quellen:

Gannon, Sharon & David Life (2012). Yoga der Befreiung. Das Praxisbuch des Jivanmukti Yoga. Via Nova.

Yogi Hari (2005). Sampoorna Yoga. Der natürliche Pfad zur Ganzheit. Aurum.

Swami Sivananda (2003). Shrimad Bhagavad Gita. Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda. Mangalam Books.

Swami Sivananda (2008). Sadhana. Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit. Mangalam Books.

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